The Courser

mixed media installation (video, photography, sound)
Vienna/Linz, 2018, Shanghai, 2015
sound editing:
Thomas Grill

shot during the BKA studio residency
installation at Memphis project space Linz
organized by Golden Pixel Cooperative & Memphis,
Katharina Swoboda, Marlies Pöschl

show text


english coming soon!

Mit der Inschrift The gallop of the courser ist eine Skulpturengruppe in Shanghai beschrieben, die Truttmann ins Zentrum ihrer Arbeit stellt. Courser bezeichnet ein „swift or spirited horse“, ein Rennpferd. Die Bewegungen der Pferde sind expressiv in der Skulptur dargestellt. Die Skulptur wirkt wie eine dreidimensionale Bewegungsstudie des Galopps und erinnerte hier an die frühen fotografischen Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge (1830-1904), der die Galoppbewegung Einzelbild für Einzelbild aufzeichnete. Truttmann nähert sich den in der Zeit erstarrten Bewegungen, und versetzt diese in Aktivität. Die geschieht nicht nur mittels der laufenden Bilder, also den filmischen Bildern der Videokamera, sondern verstärkt auf der Tonebene. Gemeinsam mit Thomas Grill setzt Truttmann eine Soundscape in den Ausstellungsraum, welche die Struktur der Skulptur, aber gleichsam auch ihren Umraum aufnimmt. Ton und Bild werden getrennt im Ausstellungsraum präsentiert.
Die Pferdegruppe ist in ein modernes mehrstöckiges Ensemble von Autobahnen positioniert. Die imaginäre Bewegung der Pferde und die tatsächliche Bewegung der Autos werden im Bild verschränkt. Mit Pferd und Auto sind zwei Transportmittel aus unterschiedlichen historischen Epochen sichtbar, die an diesem Punkt gegenübergestellt werden. Truttmann nähert sich der Pferdegruppe mit langen und wohlkompnierten Einstellungen, die Zeit für die Betrachtung der Situation erlauben. Während bei Muybridge die Bewegung durch das Schweifen des Blicks zusammengesetzt wird, konstruiert Truttmann diese durch audiovisuelle Montage. Positioniert wird ihre Arbeit erneut dreidimensional im Raum und funktioniert in diesem Sinne, wie die Pferdgruppe zu Anfang, als skulpturale Anordnung.

Auszug aus dem Ausstellungstext Sena Başöz/Lisa Truttmann,
von Katharina Swoboda

show exhibition notes


english coming soon!


Sena Başöz/Lisa Truttmann
Text von Katharina Swoboda

In der Ausstellung von Sena Başöz und Lisa Truttmann werden zwei Positionen vorgestellt, in denen das Verhältnis von Erinnerung, Medien und Natur verhandelt wird. Dabei werden historisierte Objekte, wie eine Skulptur und (fiktive) Fundstücke, in den Arbeiten zeitlich aktualisiert. Während Truttmann sich der Skulptur annähert, und diese in Bewegung versetzt, werden bei Başöz Materialen an sie heran geschwemmt. Hier beobachtet Başöz die Bewegungen des Meers und zeichnet auf, was es bringt. In beiden Arbeiten geht es um filmische Bilder, um Materialien und die Verschränkung zwischen den bewegten Bildern, also der Bewegung des filmischen Mediums und der Bewegung anderer Medien bzw. Elemente: bei Truttmann die erstarrten Bewegungen der Pferde und bei Başöz die Bewegung des Wassers.


Lisa Truttmann
The Courser, 2018
Multimedia Installation (Video, Fotografie, Sound)
Soundbearbeitung: Thomas Grill

Mit der Inschrift The gallop of the courser ist eine Skulpturengruppe in Shanghai beschrieben, die Truttmann ins Zentrum ihrer Arbeit stellt. Courser bezeichnet ein „swift or spirited horse“, ein Rennpferd. Die Bewegungen der Pferde sind expressiv in der Skulptur dargestellt. Die Skulptur wirkt wie eine dreidimensionale Bewegungsstudie des Galopps und erinnerte hier an die frühen fotografischen Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge (1830-1904), der die Galoppbewegung Einzelbild für Einzelbild aufzeichnete. Truttmann nähert sich den in der Zeit erstarrten Bewegungen, und versetzt diese in Aktivität. Die geschieht nicht nur mittels der laufenden Bilder, also den filmischen Bildern der Videokamera, sondern verstärkt auf der Tonebene. Gemeinsam mit Thomas Grill setzt Truttmann eine Soundscape in den Ausstellungsraum, welche die Struktur der Skulptur, aber gleichsam auch ihren Umraum aufnimmt. Ton und Bild werden getrennt im Ausstellungsraum präsentiert.
Die Pferdegruppe ist in ein modernes mehrstöckiges Ensemble von Autobahnen positioniert. Die imaginäre Bewegung der Pferde und die tatsächliche Bewegung der Autos werden im Bild verschränkt. Mit Pferd und Auto sind zwei Transportmittel aus unterschiedlichen historischen Epochen sichtbar, die an diesem Punkt gegenübergestellt werden. Truttmann nähert sich der Pferdegruppe mit langen und wohlkompnierten Einstellungen, die Zeit für die Betrachtung der Situation erlauben. Während bei Muybridge die Bewegung durch das Schweifen des Blicks zusammengesetzt wird, konstruiert Truttmann diese durch audiovisuelle Montage. Positioniert wird ihre Arbeit erneut dreidimensional im Raum und funktioniert in diesem Sinne, wie die Pferdgruppe zu Anfang, als skulpturale Anordnung.

Sena Başöz
The Screen, 2016
Video Installation (mit Zeichnungen und Collagen)

Aufnahmen vom Meer werden auf einen Paravent projiziert, es ist einer jener Raumteiler, wie er in Krankenhäusern zu finden ist. Ein medical screen wie er im Englischen bezeichnet wird. Der Screen bezeichnet viele Flächen, er verweist auf den Computerbildschirm, das Handy sowie die Kinoleinwand der Massenmedien in denen schockierende Bilder gezeigt werden. Aber hier taucht auch die Referenz zum medical screening, der Vorsorgeuntersuchung, auf. Es ist diese Doppelbedeutung, die Başöz interessiert. Denn es ist das Sorgen, das Vorsorgen und das Umsorgen, Caring, das Basöz in ihrer Arbeit antreibt. Was gibt es zu heilen? Und, wie begegnet die Kunst der fortschreitenden Komplexität der Welt? Mit „theoretischer Kreativität und ethischem Mut“ in die Zukunft zu gehen schlägt die politische Denkerin Rosi Braidotti vor, anstatt von eines „rückwärtsgewandten Weg[es] der Konstruktion kollektiver Feindbilder“. Başöz ist sich ihrer Situiertheit (ein Begriff von Donna Haraway) bewusst, also einer bestimmten Position, die sie einnimmt und von der aus sie handelt. Im Ausstellungsraum legt sie diese Position aus: neben dem Paravent, der das Meer und angespülte Knochen zeigt, werden Bilder ausgehängt, die ihre Position und ihre Reaktion verbildlichen. Knochen und andere archäologische Funde werden gewöhnlich aus der Erde geborgen, Başöz jedoch betreibt ihre persönliche Archäologie im Meereswasser. Ihre Geschichten werden nicht ausgegraben, sondern angeschwemmt.

The Courser

Multimedia Installation (Video, Fotografie, Sound)
Wien/Linz, 2018, Shanghai, 2015
Soundbearbeitung:
Thomas Grill

Filmaufzeichnung im Rahmen des BKA Atelierprogramms
Installation im Memphis Projekt- und Ausstellungsraum Linz
Organisation: Golden Pixel Cooperative & Memphis,
Katharina Swoboda, Marlies Pöschl

Text anzeigen

Mit der Inschrift The gallop of the courser ist eine Skulpturengruppe in Shanghai beschrieben, die Truttmann ins Zentrum ihrer Arbeit stellt. Courser bezeichnet ein „swift or spirited horse“, ein Rennpferd. Die Bewegungen der Pferde sind expressiv in der Skulptur dargestellt. Die Skulptur wirkt wie eine dreidimensionale Bewegungsstudie des Galopps und erinnerte hier an die frühen fotografischen Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge (1830-1904), der die Galoppbewegung Einzelbild für Einzelbild aufzeichnete. Truttmann nähert sich den in der Zeit erstarrten Bewegungen, und versetzt diese in Aktivität. Die geschieht nicht nur mittels der laufenden Bilder, also den filmischen Bildern der Videokamera, sondern verstärkt auf der Tonebene. Gemeinsam mit Thomas Grill setzt Truttmann eine Soundscape in den Ausstellungsraum, welche die Struktur der Skulptur, aber gleichsam auch ihren Umraum aufnimmt. Ton und Bild werden getrennt im Ausstellungsraum präsentiert.
Die Pferdegruppe ist in ein modernes mehrstöckiges Ensemble von Autobahnen positioniert. Die imaginäre Bewegung der Pferde und die tatsächliche Bewegung der Autos werden im Bild verschränkt. Mit Pferd und Auto sind zwei Transportmittel aus unterschiedlichen historischen Epochen sichtbar, die an diesem Punkt gegenübergestellt werden. Truttmann nähert sich der Pferdegruppe mit langen und wohlkompnierten Einstellungen, die Zeit für die Betrachtung der Situation erlauben. Während bei Muybridge die Bewegung durch das Schweifen des Blicks zusammengesetzt wird, konstruiert Truttmann diese durch audiovisuelle Montage. Positioniert wird ihre Arbeit erneut dreidimensional im Raum und funktioniert in diesem Sinne, wie die Pferdgruppe zu Anfang, als skulpturale Anordnung.

Auszug aus dem Ausstellungstext Sena Başöz/Lisa Truttmann,
von Katharina Swoboda

Ausstellungstext anzeigen


Sena Başöz/Lisa Truttmann
Text von Katharina Swoboda

In der Ausstellung von Sena Başöz und Lisa Truttmann werden zwei Positionen vorgestellt, in denen das Verhältnis von Erinnerung, Medien und Natur verhandelt wird. Dabei werden historisierte Objekte, wie eine Skulptur und (fiktive) Fundstücke, in den Arbeiten zeitlich aktualisiert. Während Truttmann sich der Skulptur annähert, und diese in Bewegung versetzt, werden bei Başöz Materialen an sie heran geschwemmt. Hier beobachtet Başöz die Bewegungen des Meers und zeichnet auf, was es bringt. In beiden Arbeiten geht es um filmische Bilder, um Materialien und die Verschränkung zwischen den bewegten Bildern, also der Bewegung des filmischen Mediums und der Bewegung anderer Medien bzw. Elemente: bei Truttmann die erstarrten Bewegungen der Pferde und bei Başöz die Bewegung des Wassers.


Lisa Truttmann
The Courser, 2018
Multimedia Installation (Video, Fotografie, Sound)
Soundbearbeitung: Thomas Grill

Mit der Inschrift The gallop of the courser ist eine Skulpturengruppe in Shanghai beschrieben, die Truttmann ins Zentrum ihrer Arbeit stellt. Courser bezeichnet ein „swift or spirited horse“, ein Rennpferd. Die Bewegungen der Pferde sind expressiv in der Skulptur dargestellt. Die Skulptur wirkt wie eine dreidimensionale Bewegungsstudie des Galopps und erinnerte hier an die frühen fotografischen Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge (1830-1904), der die Galoppbewegung Einzelbild für Einzelbild aufzeichnete. Truttmann nähert sich den in der Zeit erstarrten Bewegungen, und versetzt diese in Aktivität. Die geschieht nicht nur mittels der laufenden Bilder, also den filmischen Bildern der Videokamera, sondern verstärkt auf der Tonebene. Gemeinsam mit Thomas Grill setzt Truttmann eine Soundscape in den Ausstellungsraum, welche die Struktur der Skulptur, aber gleichsam auch ihren Umraum aufnimmt. Ton und Bild werden getrennt im Ausstellungsraum präsentiert.
Die Pferdegruppe ist in ein modernes mehrstöckiges Ensemble von Autobahnen positioniert. Die imaginäre Bewegung der Pferde und die tatsächliche Bewegung der Autos werden im Bild verschränkt. Mit Pferd und Auto sind zwei Transportmittel aus unterschiedlichen historischen Epochen sichtbar, die an diesem Punkt gegenübergestellt werden. Truttmann nähert sich der Pferdegruppe mit langen und wohlkompnierten Einstellungen, die Zeit für die Betrachtung der Situation erlauben. Während bei Muybridge die Bewegung durch das Schweifen des Blicks zusammengesetzt wird, konstruiert Truttmann diese durch audiovisuelle Montage. Positioniert wird ihre Arbeit erneut dreidimensional im Raum und funktioniert in diesem Sinne, wie die Pferdgruppe zu Anfang, als skulpturale Anordnung.

Sena Başöz
The Screen, 2016
Video Installation (mit Zeichnungen und Collagen)

Aufnahmen vom Meer werden auf einen Paravent projiziert, es ist einer jener Raumteiler, wie er in Krankenhäusern zu finden ist. Ein medical screen wie er im Englischen bezeichnet wird. Der Screen bezeichnet viele Flächen, er verweist auf den Computerbildschirm, das Handy sowie die Kinoleinwand der Massenmedien in denen schockierende Bilder gezeigt werden. Aber hier taucht auch die Referenz zum medical screening, der Vorsorgeuntersuchung, auf. Es ist diese Doppelbedeutung, die Başöz interessiert. Denn es ist das Sorgen, das Vorsorgen und das Umsorgen, Caring, das Basöz in ihrer Arbeit antreibt. Was gibt es zu heilen? Und, wie begegnet die Kunst der fortschreitenden Komplexität der Welt? Mit „theoretischer Kreativität und ethischem Mut“ in die Zukunft zu gehen schlägt die politische Denkerin Rosi Braidotti vor, anstatt von eines „rückwärtsgewandten Weg[es] der Konstruktion kollektiver Feindbilder“. Başöz ist sich ihrer Situiertheit (ein Begriff von Donna Haraway) bewusst, also einer bestimmten Position, die sie einnimmt und von der aus sie handelt. Im Ausstellungsraum legt sie diese Position aus: neben dem Paravent, der das Meer und angespülte Knochen zeigt, werden Bilder ausgehängt, die ihre Position und ihre Reaktion verbildlichen. Knochen und andere archäologische Funde werden gewöhnlich aus der Erde geborgen, Başöz jedoch betreibt ihre persönliche Archäologie im Meereswasser. Ihre Geschichten werden nicht ausgegraben, sondern angeschwemmt.